Nachrichten·May 8, 2026·8 Min. Lesezeit

Der 300-Mrd.-$-KI-Capex-Zyklus: Was Microsoft, Google und Meta wirklich bauen

300 Milliarden Dollar: Die größte Infrastrukturinvestition der Geschichte

2026 werden die vier größten Hyperscaler — Microsoft, Google, Meta und Amazon — zusammen rund 320 Mrd. $ in KI-Infrastruktur investieren. Das übertrifft das jährliche BIP von über 150 Ländern. Es ist die größte koordinierte Infrastrukturinvestition in der Geschichte des privaten Sektors.

Microsoft: 80 Mrd. $. Google (Alphabet): 75 Mrd. $. Meta: 65 Mrd. $. Amazon (AWS): 100 Mrd. $.

Aber was bauen sie wirklich? Und wer profitiert — außer Nvidia?

Was gebaut wird

Rechenzentren: Der Großteil des Capex fließt in den Bau und Betrieb von Rechenzentren. Microsoft hat Pläne für neue Standorte in 20+ Ländern angekündigt. Google baut seine "Hyperscale"-Cluster mit 100.000+ GPU-Knoten. Meta baut in Louisiana ein 2-GW-Rechenzentrum — das größte der Welt.

Strom und Kühlsysteme: Ein Rechenzentrum dieser Größenordnung braucht massive Stromversorgung. Das ist der kritischste Engpass. GPU-Cluster verbrauchen gigantische Mengen Energie — und produzieren entsprechend viel Wärme, die aktiv gekühlt werden muss.

Netzwerkinfrastruktur: Glasfaserkabel, Switches, benutzerdefinierte Netzwerksiliziuim. Google's TPUs, Microsoft's Maia und Amazon's Trainium — eigene KI-Chips, die neben Nvidia-Hardware die Infrastruktur ergänzen.

KI-Modelltraining und Inferenz: Ein Teil des Capex ist direkt operativer Natur — Rechenzeit für das Training neuer Modelle und für die Live-Inferenz (wenn ein Nutzer ChatGPT fragt und das Rechenzentrum antwortet).

Die Picks-and-Shovels-These

Wenn alle Gold suchen, verkaufe Schaufeln. Die Picks-and-Shovels-Investitionsthese im KI-Capex-Zyklus: Statt die Hyperscaler selbst zu kaufen (die hohe Multiples haben), in Zulieferer investieren, die von jedem Capex-Dollar profitieren — unabhängig davon, wer KI "gewinnt."

Vertiv Holdings (VRT): Spezialist für Rechenzentrum-Infrastruktur — Kühlung, Strommanagement, Rack-Systeme. Der direkte Nutznießer steigender Rechenzentrum-Dichte. YTD +35 %. Ich halte eine 2%-Position.

Eaton Corporation (ETN): Elektrische Energiemanagement-Lösungen — Transformatoren, Schaltanlagen, Verteilsysteme. Jedes Rechenzentrum braucht Eaton-Produkte. YTD +28 %. 1,5%-Position in meinem Portfolio.

Constellation Energy (CEG): Kernenergie-Operator — der einzige zuverlässige 24/7-CO2-freie Stromanbieter. Microsoft hat einen 20-Jahres-Stromliefervertrag mit Constellation für die Three Mile Island-Reaktivierung unterzeichnet. Weitere Hyperscaler-Deals sind in Verhandlung. YTD +22 %.

Nvidia (NVDA): Das Offensichtliche, aber immer noch valide. Jeder Hyperscaler-Capex-Dollar fließt zu einem erheblichen Teil in Nvidia-GPUs. H100, B100, B200 — der Rückstand beträgt mehrere Quartale. Ich halte NVDA als 3%-Position.

Risiken dieser These

Capex-Enttäuschung: Wenn KI-Monetarisierung langsamer läuft als erwartet, könnten Hyperscaler Capex-Pläne kürzen. Das würde alle Zulieferer treffen.

Technologische Disruption: Wenn neue KI-Architekturen (z.B. Neuromorphic Computing) weniger Energie und Kühlung brauchen, reduziert das den Bedarf an traditioneller Rechenzentrum-Infrastruktur.

Bewertungsrisiko: Vertiv und Eaton haben nach dem KI-Rally bereits deutlich zugelegt. Einstieg jetzt bedeutet höhere Multiples zu zahlen.

Meine Sicht

Der KI-Capex-Zyklus ist real und multi-jährig. Die 320 Mrd. $ für 2026 sind nicht das Ende — Konsensus-Prognosen für 2027 liegen bei 400+ Mrd. $. Der Infrastrukturbedarf für Training und Inferenz wächst mit jedem neuen Modell.

Ich bin in der Picks-and-Shovels-Kategorie übergewichtet — Vertiv, Eaton, CEG und Nvidia zusammen machen 8 % meines Portfolios aus. Das ist meine Wette, dass die KI-Infrastruktur-Nachfrage über mehrere Jahre robust bleibt, unabhängig davon, wer das "beste" KI-Modell baut.

A
Ruslan AverinInvestor & Marktanalyst

Schreibt über Kapitalallokation, Risiko und Marktstruktur.