Die Zahlen auf einen Blick
Alphabet meldete Q1-2026-Ergebnisse, die den Konsens in allen wichtigen Kennzahlen übertrafen. Gesamtumsatz: 90,2 Mrd. $, +12 % im Jahresvergleich. Operative Marge: 34,2 %. EPS: 2,81 $ vs. Schätzung 2,62 $ — eine Überraschung von 7,3 %.
Das sind keine spektakulären Zahlen — sie sind solide und konsistent. Und für ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von über 2 Billionen Dollar ist Konsistenz das, was zählt.
Google Suche: Die KI-Frage beantwortet
Die am meisten diskutierte Frage vor diesen Ergebnissen war: Kannibalisiert KI Overviews (Googles KI-generierte Suchantworten) den traditionellen Suchanzeigenmarkt?
Die Antwort: Nein, zumindest noch nicht. Google-Suchanzeigeneinnahmen: 57,0 Mrd. $, +10 % im Jahresvergleich. Das ist tatsächlich eine Beschleunigung gegenüber den +8 % in Q4 2025.
Das Management erklärte, dass KI Overviews die Klickraten auf gesponserte Ergebnisse erhöht, weil Nutzer, die KI Overviews nutzen, eine höhere Kaufabsicht zeigen. Das ist kontraintuitiv, aber bisher durch die Daten gestützt.
Ich war skeptisch gegenüber der KI-Kannibalisierungs-These — die Zahlen geben mir Recht.
YouTube: Das unterschätzte Asset
YouTube-Anzeigeneinnahmen: 9,4 Mrd. $, +13 % im Jahresvergleich. Das ist die stärkste sequenzielle Beschleunigung seit drei Quartalen.
YouTube Shorts (das TikTok-Konkurrenzprodukt) beginnt, seinen Umsatz-Pull-Through zu verbessern. Management erwähnte, dass die Monetarisierungsrate von Shorts gegenüber dem Vorjahr um 40 % gestiegen ist. Beim Aufbau dieser Shorts-Infra hat Google erhebliche F&E-Kosten verbucht — diese beginnen jetzt, Früchte zu tragen.
YouTube ist langfristig das stärkste Wachstumsasset von Alphabet. Die Kombination aus Anzeigen, YouTube Premium-Abonnements und YouTube TV gibt dem Unternehmen mehrere Umsatzströme in einem Produkt.
Google Cloud: Marge ist der Story
Google Cloud-Umsatz: 12,3 Mrd. $, +28 % im Jahresvergleich. Operative Marge: 28 % — neuer Rekord. Das ist das sechste aufeinanderfolgende Quartal mit Margenwachstum.
Zum Vergleich: AWS liegt bei ~35 % operativer Marge, Azure bei ~30 %. Google Cloud hat aufgeholt und beweist, dass seine Cloud-Infrastruktur auf einem vergleichbaren Effizienzniveau operiert.
KI-Nachfrage treibt Cloud-Wachstum: Gemini-API-Anfragen stiegen um 300 % im Jahresvergleich. Unternehmen, die KI-Anwendungen auf Google Cloud aufbauen, holen auf.
Warum ich bei 168 $ nachgekauft habe
GOOGL fiel nach den Ergebnissen kurzzeitig — ein klassisches "Buy the rumor, sell the news"-Muster, das bei Megacap-Tech häufig vorkommt. Ich nutzte den Rücksetzer auf 168 $ für einen Nachkauf.
Auf 168 $ handelt GOOGL bei etwa 18x Forward-KGV — erheblich günstiger als der S&P 500 bei 21x. Für ein Unternehmen, das Cloud, Suche, YouTube und KI-Infrastruktur kombiniert und dabei 34 % operative Margen liefert, ist das eine günstige Bewertung.
Meine These: Die Marktbewertung schreibt dem Unternehmen zu wenig für Cloud-Wachstum und das YouTube-Asset zu. Mit dem Nachweis, dass KI Overviews die Suche nicht kannibalisieren, fällt ein wichtiges Gegenargument weg.
Risiken auf dem Radar
Regulierungsrisiko: Das DOJ-Verfahren wegen Suchmonopols läuft. Ein ungünstiges Urteil könnte strukturelle Änderungen erzwingen. Ich bewerte dieses Risiko als real, aber als mehrjährigen Prozess — kein akutes Quartalsrisiko.
Capex: Alphabet plant 75 Mrd. $ KI-Capex für 2026. Das ist viel Kapital. Wenn Cloud-Wachstum unter 25 % fällt, wird der Markt den Capex kritisch hinterfragen.
Insgesamt: Alphabet ist eine meiner Kern-Holdings. Die Q1-Ergebnisse haben meine These bestätigt, und ich bin bereit, auf weiteren Schwäche zu kaufen.
