Philosophie·May 8, 2026·9 Min. Lesezeit

Warum ich 8 Positionen halte, nicht 40: Das Argument für konzentriertes Investieren

Das Paradox der Diversifikation

Der durchschnittliche aktiv gemanagte US-Aktienfonds hält 147 Positionen. Und der durchschnittliche aktiv gemanagte US-Aktienfonds schlägt den S&P 500 über 10 Jahre nicht. Das ist kein Zufall.

Wenn Sie 147 Positionen halten, werden Sie per Definition etwas ähnliches wie den Markt halten — minus Gebühren. Sie haben all den Aufwand betrieben, Einzeltitel auszuwählen, aber das Ergebnis unterscheidet sich nicht wesentlich von einem Indexfonds, der 0,03 % Kostenquote verlangt statt 1,0 % oder mehr.

Das ist das Paradox der Überdiversifikation: Sie schützt vor dem Einzeltitel-Risiko, eliminiert aber auch die Möglichkeit, vom Einzeltitel-Upside zu profitieren. Sie machen aus aktivem Investieren einen teuren Indexfonds.

Was die Mathematik sagt

Harry Markowitz' Modern Portfolio Theory zeigt, dass der Großteil des Einzeltitel-Risikos durch Diversifikation eliminiert werden kann — aber mit abnehmenden Erträgen. Mit 10 Positionen eliminieren Sie etwa 80 % des unsystematischen Risikos. Mit 20 Positionen sind es ~90 %. Mit 30+ Positionen nähern Sie sich asymptotisch dem Marktrisiko an.

Das bedeutet: Positionen 31 bis 147 liefern praktisch keinen Diversifikationsvorteil mehr. Sie fügen nur Komplexität, Transaktionskosten und die Notwendigkeit hinzu, 117 zusätzliche Unternehmen zu verfolgen.

Der Sweet Spot der Diversifikation liegt mathematisch bei 15–20 gut gewählten unkorrelierten Positionen. Ich entscheide mich für ein konzentrierteres Ende dieses Spektrums — 8 Core-Positionen plus ETFs.

Buffetts Sicht

Warren Buffett hat das unmissverständlich formuliert: "Diversification is protection against ignorance. It makes little sense if you know what you are doing."

Das ist nicht Arroganz — das ist Logik. Wenn Sie 147 Unternehmen verfolgen müssen, können Sie keines davon wirklich gut kennen. Wenn Sie 8–12 kennen, können Sie sie tief verstehen — Geschäftsmodell, Wettbewerbsposition, Managementqualität, Bilanzstruktur, regulatorisches Umfeld.

Tiefes Wissen über 8 Unternehmen führt zu besseren Entscheidungen als oberflächliches Wissen über 147.

Meine 8 Positionen nach Typ

Ich halte keine 8 zufälligen Aktien. Mein konzentriertes Portfolio ist strukturiert:

2 Qualitätsanker (Kern-Holdings): Berkshire Hathaway und ein breiter Indexfonds. Diese liefern Stabilität und "Marktbeta" als Fundament.

3 Wachstums-Conviction: Alphabet, Meta, Nvidia — Unternehmen, bei denen ich eine klare, fundierte Long-Thesis habe und die ich tief verstehe.

2 Sektorwetten: Aktuell Finanzwerte (JPMorgan) und Gesundheit (UnitedHealth). Diese bieten Sektordiversifikation ohne Überkonzentration.

1 Turnaround/Spezial-Situation: Variiert je nach Marktlage — aktuell ein zyklischer Wert, der unter temporärem Druck steht.

Dazu kommen ETF-Positionen (EFA, INDA, EWZ, TLT, Gold) als strategische Exposition ohne Einzeltitelrisiko.

60/40 Core/Index-Aufteilung

Meine übergeordnete Portfolio-Struktur: 60 % in aktiv ausgewählte Einzeltitel und Conviction-ETFs, 40 % in breite Indexfonds (S&P 500 und internationale Indizes).

Das 40 %-Index-Exposure ist meine "Demut-Position". Es anerkennt, dass selbst die besten aktiven Investoren irren. Wenn meine Einzeltitelauswahl in einem Jahr unterperformt, begrenzt die Indexkomponente den Schaden.

Wann Konzentration gefährlich wird

Konzentriertes Investieren funktioniert nur mit rigorosen Positionsgrößen-Regeln. Wenn eine Position 30 %+ des Portfolios ausmacht, ist das keine Überzeugung — das ist Risikomanagement-Versagen. Mein Maximum für eine Einzelposition: 8 % des Gesamtportfolios.

Konzentration braucht auch Geduld. Wenn Sie 8 statt 147 Positionen halten, müssen Sie bereit sein, mit einer schlechten Periode bei einem Ihrer 8 Unternehmen zu sitzen. Mit 147 Positionen verschwindet ein Fehlschlag im Rauschen. Mit 8 tut er weh — vorübergehend.

Die Gegenleistung für diesen Schmerz: Wenn einer Ihrer 8 Überzeugungen wie erwartet liefert, ist das Upside spürbar. Das ist der Unterschied zwischen aktivem Investieren und Indexfonds-Investieren.

A
Ruslan AverinInvestor & Marktanalyst

Schreibt über Kapitalallokation, Risiko und Marktstruktur.