Was in Genf beschlossen wurde
US- und chinesische Verhandlungsführer trafen sich in Genf und einigten sich auf einen 90-tägigen Waffenstillstand im Zollkonflikt. Die Bedingungen: Die USA senken Zölle auf chinesische Importe von 145 % auf 30 %. China senkt Gegenzölle von 125 % auf 10 %. Keine dauerhaften Abkommen — nur eine Pause, um Zeit für tiefere Verhandlungen zu kaufen.
Der Markt reagierte enthusiastisch. Der S&P 500 stieg in den zwei Handelstagen nach der Ankündigung um 9,5 %. Das ist eine der stärksten Zweitageskursreaktionen seit der COVID-Erholung 2020. Es war eine massive Short-Deckungswelle kombiniert mit neuen Käufen.
Ich habe diese Rally beobachtet. Ich habe nicht vollständig daran teilgenommen — und ich erkläre warum.
Was der Markt korrekt einpreiste
Der Markt hatte recht mit einem: Die Entspannung des schlimmsten Zollniveaus (145 %) reduziert das unmittelbare wirtschaftliche Schaden-Risiko. Bei 145 % waren viele China-Importketten faktisch unterbrochen. Bei 30 % ist Handel wieder möglich, wenn auch teurer als vor 2025.
Die Rally in Lieferketten-exponierten Unternehmen — Apple, Nike, Best Buy, Walmart — war rational. Diese Unternehmen hatten massive Unsicherheitsabschläge in ihren Bewertungen, die teilweise entfernt wurden.
Die drei Punkte, die der Markt verpasste
Punkt 1 — 30 % ist immer noch sehr hohe Zölle. Der historische Durchschnitt für US-China-Zölle vor dem Handelskrieg lag bei ~3,5 %. Bei 30 % sind Einfuhrkosten immer noch neunmal höher als die historische Norm. Unternehmen, die Lieferketten von China umgezogen haben — nach Vietnam, Mexiko, Indien — werden nicht zurückkehren. Der strukturelle Schaden ist getan.
Punkt 2 — 90 Tage ist kurze Zeit. Ein 90-Tage-Waffenstillstand ist kein Abkommen. In 90 Tagen muss entweder ein dauerhaftes Abkommen stehen (historisch schwierig zwischen den USA und China) oder der Konflikt eskaliert wieder. Die Märkte preisten den Waffenstillstand fast wie ein dauerhaftes Abkommen ein — das ist eine Fehlbewertung.
Punkt 3 — Die nicht-tarifären Barrieren bleiben. US-Technologieexportkontrollen auf fortgeschrittene Chips (Nvidia A100, H100 und Nachfolger), Beschränkungen für chinesische Tech-Investitionen in den USA, Überprüfungen von chinesischen Beteiligungen an kritischer Infrastruktur — all das bleibt unverändert. Die tiefgreifenden Konfliktlinien sind nicht berührt worden.
Meine Reaktion: Put-Spreads
Ich kaufte nach der Rally Put-Spreads auf den S&P 500 mit einem Verfall in 60 Tagen. Konkret: Kaufe den 5.500 Put, verkaufe den 5.300 Put. Nettoprämienzahlung ~$180 pro Kontrakt.
Das ist kein Wette, dass der Markt fällt. Es ist eine Absicherung für das Szenario, dass der Waffenstillstand in 90 Tagen nicht zu einem dauerhaften Abkommen führt und die Handelsspannungen wieder eskalieren. Bei diesem Szenario-Risiko fand ich die Absicherungskosten vertretbar.
Was ich in den nächsten 90 Tagen verfolge
Handelsverhandlungen dauern Monate oder Jahre, nicht Wochen. Die entscheidenden Fragen: Zeigen beide Seiten echte Verhandlungsbereitschaft bei den fundamentalen Streitpunkten (Technologietransfer, geistiges Eigentum, staatliche Subventionen)? Oder ist der Waffenstillstand nur politisches Timing für innenpolitische Ziele beider Seiten?
Ich werde meine Put-Spreads halten, bis sich die Situation klarer entwickelt. Manchmal ist das Beste, was man tun kann, die Überraschung zu versichern statt zu prognositizieren.
