Fermi hat seinen ersten bindenden Kundenmietvertrag am Project Matador in Carson County, Texas, unterzeichnet. TensorWave übernimmt eine Anlage mit einer Gesamtleistung von 222 Megawatt. Der Mietvertrag soll über eine anfängliche Laufzeit von 15 Jahren rund 6,5 Milliarden US-Dollar an Umsatz generieren, inklusive Erweiterungsrechten, die die Partnerschaft auf über 650 Megawatt bringen würden.
Die Lieferung erfolgt in Phasen und beginnt im zweiten Halbjahr 2027. Die Aktie schloss 21,09% höher bei 7,12 US-Dollar.
Der Mietvertrag
| Begriff | Wert |
|---|---|
| Anlagenleistung | 222 MW |
| Anfängliche Laufzeit | 15 Jahre |
| Erwarteter Umsatz | ~6,5 Mrd. USD |
| Erweiterungsrechte | auf 650+ MW |
| Erste Lieferung | 2. Halbjahr 2027 |
| Standort | Project Matador, Carson County, Texas |
| Endnutzung | zehntausende AMD Instinct GPUs |
Warum das etwas ganz anderes ist als ein Hyperscaler-Mietvertrag
Riot vermietete Strom, den das Unternehmen bereits besitzt und betreibt. Fermi hat Strom vermietet, den es erst noch bauen muss, auf einem Campus, der größtenteils noch Planung ist, an einen Mieter, der selbst ein junger GPU-Cloud-Anbieter ist und keine Bilanz im Billionenbereich vorweisen kann.
Jeder dieser Unterschiede ist relevant für den Abschlag, den man ansetzen sollte. Ein bindender 15-Jahres-Mietvertrag mit TensorWave ist ein reales Vermögenswert – aber die dahinterstehende Bonität ist ein Unternehmen, dessen eigener Umsatz davon abhängt, dass die Nachfrage nach KI-Training bis 2028 anhält. Man unterschreibt hier faktisch zwei Geschäftsmodelle, nicht eines.
Das entscheidende Wort in der Ankündigung ist bindend. Es macht aus Fermi einen Entwickler mit einem Ankermieter statt nur mit einer Grundstücksposition – und Ankermieter sind das, wogegen Banken Kredite vergeben. Das, und nicht die 6,5 Milliarden US-Dollar, ist der Grund, warum die Aktie 21,09% höher bei 7,12 US-Dollar schloss.
Die Zahl, an der man sich orientieren sollte
6,5 Milliarden US-Dollar über 15 Jahre entsprechen rund 430 Millionen US-Dollar Mieteinnahmen pro Jahr, die ab 2028 fließen – auf einer Anlage, die zunächst finanziert und gebaut werden muss.
Vergleicht man das mit der Kostenseite: Campusse dieser Leistungsdichte verschlingen vor dem ersten Umsatz mehrere Milliarden US-Dollar an Kapital, und genau in der Lücke zwischen Vertragsabschluss und Mietbeginn scheitern Entwickler häufig. Fermi hat nun die leichtere Hälfte erledigt – Nachfrage gefunden. Die schwierigere Hälfte ist die Finanzierung von zwei Jahren Bauzeit gegen einen Vertrag, der erst später zahlt.
Das Detail zu AMD Instinct verdient aus einem zweiten Grund Beachtung. Es bestätigt, dass der Nicht-Nvidia-KI-Stack genug feste Nachfrage hinter sich hat, um einen eigens dafür gebauten Campus zu rechtfertigen. Das ist eine Erkenntnis über den Rechenleistungsmarkt insgesamt, nicht nur über diese Aktie.
Meine Einschätzung
Innerhalb von zwei Tagen kamen zwei KI-Mietverträge zustande – Riot mit Anthropic, Fermi mit TensorWave. Zusammen sagen sie dasselbe: Strom mit Netzanbindung ist die knappe Ressource, und wer sie besitzt, kann Verträge über 15 und 20 Jahre an Gegenparteien verkaufen, die nicht warten können.
Fermi ist die Variante mit dem höheren Beta, um auf diese These zu setzen. Der Mietvertrag reduziert das Nachfragerisiko, lässt das Finanzierungsrisiko aber vollständig bestehen – deshalb würde ich die Position als spekulativ und nicht als Infrastrukturinvestment gewichten.
Was ich als Nächstes sehen möchte: das Finanzierungspaket. Eine Baufinanzierung, die an diesem Mietvertrag bepreist ist und mit offengelegten Konditionen kommt, würde mehr über den Wert des Vertrags aussagen als der Vertrag selbst. Wenn die nächste Ankündigung wieder nur ein weiterer Mietvertrag ist und keine Finanzierung, wäre das ein Warnsignal.
